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Mitteilungen: Die etwas andere Art der Herabsetzung von Lehrer/innen?
Die etwas andere Art der Herabsetzung von Lehrer/innen?


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Bildungsministerin hat kurz vor der Veröffentlichung der PISA-E-Ergebnisse am 20. Juni 2002 im Landtag zu den Konsequenzen aus der PISA-Studie u.a. Folgendes geäußert:

Ich bin davon überzeugt: Wenn wir eine bessere Schule wollen, wenn wir konsequent jeden Schüler und jede Schülerin fördern wollen, dann brauchen wir eine andere Lernkultur, ein anderes Lernklima: also Leistung und Eigenständigkeit im Denken, Freude am Lernen und Lehren, Dialogfähigkeit und den Willen, jeden mitzunehmen, statt in Aschenputtelmanier zwischen Guten und Schlechten zu unterscheiden. Dass dies möglich ist, dass es vor allem eine Frage der Haltung ist und nicht bloß eine Frage des Honorars, das kann man zum Beispiel in Finnland beobachten. Das finnische Schul- und Bildungssystem ist erfolgreicher,

- weil Teamgeist und gemeinsame Anstrengung an die Stelle von Selektion treten;
- weil die Schulen eigenverantwortlich handeln können und regelmäßig evaluiert werden (dabei geht es um Qualität, nicht um bloße Ranglistenplätze);
- weil Lehrer geachtet sind als Pädagogen und als Menschen, weil deren hervorragende Bildungsarbeit sehr hoch geschätzt wird (trotz der schlechteren Bezahlung ? im Verhältnis zu Deutschland);
- und vor allem: weil Leistungskultur und Lernklima ?stimmen?, weil Bildung, Weiterbildung, lebenslanges Lernen als das wichtigste Zukunftspotential des Landes gelten.


Lehrer in Schleswig-Holstein: Überbezahlt und unfähig?

Mir ist nicht ganz klar, was die Bildungsministerin uns sagen will. Fördern wir, die Lehrerinnen und Lehrer,
nicht den Leistungsgedanken und die Eigenständigkeit im Denken bei unseren Schüler/innen, besitzen wir keine Freude am Lehren? Wird uns vorgeworfen, wir würden keine Dialogfähigkeit besitzen und nicht den Willen aufbringen, jede Schülerin und jeden Schüler mitzunehmen und stattdessen lieber in Aschenputtelmanier zwischen Guten und Schlechten unterscheiden? Besitzen wir etwa im Gegensatz zu den finnischen Kollegen eine falsche Haltung? Sind wir durch das ?hohe? Gehalt faul, reaktionär und träge geworden?

Ist das deutsche Schul- und Bildungssystem im Vergleich zum finnischen weniger erfolgreich, weil wir, die Lehrerinnen und Lehrer, keinen Teamgeist besitzen und uns lieber mit der Selektion von Schüler/innen befassen? Was soll übrigens der geschichtlich belastete Begriff der ?Selektion? in dieser Diskussion bewirken? Schüler/innen werden nicht ?selektiert?, wenn sie die Schulart bzw. den Fachleistungskurs wechseln oder eine Klasse wiederholen müssen.

Die Aussage, das finnische Schul- und Bildungssystem sei erfolgreicher, weil Lehrer dort als Pädagogen und als Menschen geachtet würden und weil deren hervorragende Bildungsarbeit trotz der im Vergleich zu Deutschland schlechteren Bezahlung sehr hoch geschätzt werde, lässt die Vermutung zu, dass die Ministerin vielleicht davon ausgeht, dass das deutsche Bildungswesen weniger erfolgreich ist, weil Lehrerinnen und Lehrer als Pädagogen und Menschen nicht geachtet werden und ihre (klägliche) Bildungsarbeit trotz der im Vergleich zu Finnland höheren Bezahlung nicht geschätzt wird. Sollte die jahrelang andauernde Herabsetzung des Ansehens der Lehrer/innen durch verschiedene PolitikerInnen endlich die verdienten Früchte tragen?


Das finnische Märchen

Es könnte aufgrund der Nachrichten aus Finnland der beunruhigende Eindruck entstehen, eine schlechtere Bezahlung würde die Arbeit und das Ansehen der Lehrer verbessern. Dieser wahrhaft kostensparende und leistungssteigernde Eindruck muss sorgfältig überprüft werden. Deshalb habe ich nachgesehen, wie hoch die durchschnittlichen Monatsverdienste der Arbeitnehmer in Finnland sind. Die Aussage, finnische Lehrer würden weniger als deutsche verdienen, besagt nämlich erst einmal gar nichts, da Deutschland ein Hochlohn-Land ist, in dem nicht nur die Lehrer, sondern die meisten Arbeitnehmer höhere Löhne/Gehälter als die Arbeitnehmer in anderen Industriestaaten erhalten. Entscheidend für die Klärung des beunruhigenden Eindrucks ist vielmehr die Beantwortung der Frage, in welcher Relation das Gehalt der finnischen Lehrer zu den Einkommen anderer Arbeitnehmer in Finnland steht.

Die durchschnittlichen Monatsverdienste (in ?) im Gemeindesektor Finnlands sehen wie folgt aus: Unterstufenlehrer(2261), Studienrat und Oberlehrer [gymnasiale Oberstufen und Berufsschulen] (2861), Sozialarbeiter (1798), Raumpflegerin (1426), Laborant (1584), Krankenschwester (2067), Koch (1552), Kindergärtnerin (1675), Ingenieur (3171), Feuerwehrmann (2227), Arzt im Gesundheitszentrum (4341), Elektroinstallateur (2070), EDV-Organisator/Programmierer (2376), Bus- und Straßenbahnfahrer (2042), Bibliothekar (1802). Quelle: Statistik Finnland, Lohn- und Gehaltsstatistiken vom 20.12.2001.

Es wird deutlich, dass der durchschnittliche Monatsverdienst finnischer Lehrer in der oberen Hälfte der Verdienste im Gemeindesektor angesiedelt ist. Die Kolleginnen und Kollegen in Finnland müssen deshalb das Gefühl haben, nicht zu den unteren Einkommensgruppen zu gehören und ganz arme Schlucker zu sein. Trotzdem leisten sie gute Arbeit. Trotzdem haben sie einen guten Ruf in der Bevölkerung.

Ursachenforschung

Welche Gründe hat es nun, dass Deutschland im Vergleichstest so schlecht abschneidet? Das Fehlen einer flächendeckenden integrierten Gesamtschule kann nicht die Ursache sein, denn die Empirie hat eindeutig nachgewiesen, dass die deutsche Gesamtschule zu teuer und zu leistungsschwach ist. (BIJU-Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung). An den Lehrkräften kann es auch nicht liegen; diese sind gut ausgebildet worden und trotz der ständig schlechter werdenden Rahmenbedingungen immer noch motiviert.

Als Ursache bleibt eigentlich nur noch die Bildungspolitik, deren Anweisungen die Lehrerinnen und Lehrer in der Schule pflichtgemäß umgesetzt haben und umsetzen. Diese nicht in allen Bereichen erfolgreiche Politik scheint sich jetzt allerdings unter dem Eindruck der niederschmetternden PISA-Ergebnisse ändern zu wollen. So sollen beispielsweise auch in der Hauptschule wieder verbindliche Standards definiert und eingehalten werden. Gleichzeitig wird aber der Vorschlag in die Diskussion gebracht, dass man in den Hauptschulen in Zukunft in den drei letzten Klassenstufen ohne Versetzungsbeschluss aufsteigen muss. Wie beides, das Aufsteigen ohne Versetzung und die Einhaltung verbindlicher Standards zusammenpasst, ist unerklärlich. Diese Widersprüche können aber durch eine verstärkte externe Evaluation behoben werden.

Mit kollegialen Grüßen

Siegfried Latussek, Vorsitzender im VBE-Kreisverband Lübeck



                 

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