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Hamburger Arbeitszeitmodell in Schleswig-Holstein im Anmarsch?

Obwohl das Hamburger Lehrerarbeitszeitmodell viel Kritik ausgelöst hat, findet es wahrscheinlich auch in Schleswig-Holstein unter den Politikern aller Parteien seine heimlichen und auch offenen Bewunderer.
Unter dem fadenscheinigen Vorwand, die Lehrerarbeitszeit müsse den tatsächlichen Arbeitsaufwand eines Lehrers oder einer Lehrerin beinhalten und auch für Eltern und Schüler transparenter werden, soll die Bemessung der Lehrerarbeitzeit auf eine neue Grundlage gestellt werden. Fächer und Aufgaben werden nach diesem Modell mit Zeitwerten versehen, obwohl der Zeitaufwand für die ihrem Anspruch nach ganzheitliche, Kindern und Jugendlichen zugewandte Tätigkeit von Lehrerinnen und Lehrern schwer zu messen ist.

Wie das funktioniert, machen die in einer Broschüre zu findenden Angaben eines Herrn Lange aus Hamburg deutlich. Dort wird beispielsweise der Zeitwert einer Deutschstunde an den Gesamt-, Haupt- und Realschulen mit 1,6 (= 96 Minuten) Zeitstunden angegeben. Das bedeutet 45 Minuten Unterricht plus 3 Minuten, um den Klassenraum zu wechseln. Es bleiben genau 48 Minuten für die Vor- und Nachbereitung sowie Korrektur (z.B. 1,78 Minuten pro Schüler bei einer Klassenfrequenz von 27 Schüler, bei hohen Klassenfrequenzen entsprechend weniger). In allen anderen Fächern ist der Zeitwert noch geringer. Übrigens: Da die mit einer Unterrichtsstunde verbundene reine Unterrichtszeit mit 48 Minuten veranschlagt wird, sieht sich eine in der Fünfminutenpause von einer Klasse in die andere hastende Lehrerin in die surreale Lage versetzt, 2 Minuten dieser Zeit als Freizeit verbuchen zu müssen.

Wer profitiert vom Arbeitszeitmodell?

Eine Stellungnahme der Sozietät Mathematik der Universität Hamburg macht deutlich, was es bedeutet, wenn Bildungspolitiker sich dahingehend äußern, die Lehrerarbeitszeit müsse den tatsächlichen Arbeitsaufwand eines Lehrers beinhalten:

Die Behauptung, die Arbeitszeitwerte für die verschiedenen Einzelaufgaben seien so gesetzt, dass sie für eine professionelle und qualitativ anspruchsvolle Erledigung der Aufgaben ausreichen, ist eine fromme Lüge. Möglich ist es allenfalls, dafür zu sorgen, dass die verschiedenen Arbeitszeitwerte in akzeptablen Relationen zueinander stehen. Allerdings sind auch diesem Aspekt enge Grenzen gesetzt, weil diejenigen Teilaufgaben, die die physische Anwesenheit der Lehrkraft erfordern, hinsichtlich ihres Zeitwertes schließlich nicht beliebig heruntergerechnet werden können.

So kann der Pausenaufsicht und der Teilnahme an Konferenzen kaum weniger als die pure Präsenzzeit zugerechnet werden. Bei Klassenreisen allerdings gelingt dem Lehrerarbeitszeitmodell genau dieses Kunststück. Die Zeit für die Klassenreise wird bei Vollzeitkräften durch die entfallende Arbeitszeit in der Schule abgegolten. An dieser Stelle ist von Zeitwerten plötzlich keine Rede mehr, sondern es gilt das alte Prinzip, demnach ein Beamter seinem Dienstherrn rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen habe. Auf der anderen Seite wird mit spitzem Bleistift im Arbeitszeitkonto der einzelnen Lehrkraft als Soll verbucht, wenn Stunden wegen der Reise ausfallen.

Von derartigen, eigentlich unnötigen Betrügereien einmal abgesehen, die aber bei den Betroffenen zu besonderer Verbitterung führen müssen, ist es eine zwangsläufige Folge des Modellansatzes selber, dass die zugeordneten Arbeitszeitwerte zu Lasten derjenigen Teilaufgaben gehen, die zu Hause oder in Freistunden im Lehrerzimmer zu erledigen sind. Da sie sich einer direkten Überprüfung entziehen und nicht die persönliche Anwesenheit an der Schule erfordern, können sie beliebig heruntergerechnet werden. Und sie müssen heruntergerechnet werden, weil anders das vorgegebene Ergebnis von 1770 Arbeitsstunden im Jahr nicht herauskommen kann. Auf die Unterrichtstätigkeit im engeren Sinne bezogen, handelt es sich hierbei um die Zeiten zur Vor- und Nachbereitung, für Schüler- und Eltern-gespräche sowie für die Konzeption von Klassen- und Hausarbeiten.

Seit es Schule gibt, hat es immer den Typus des wenig engagierten Lehrers gegeben, der in seinen 30 bis 40 Dienstjahren den immer gleichen, eher schlecht als recht vorbereiteten und entsprechend miserablen Unterricht gibt. Das Lehrerarbeitszeitmodell macht diesen Typus zum für alle verbindlichen Leitbild und dokumentiert damit, wie sehr die Bildung in Hamburg inzwischen auf den Hund gekommen ist.



Arbeitszeitreformen nicht als Sparmaßnahmen missbrauchen!

Die derzeit in mehreren Bundesländern vorliegenden Pläne zielen lediglich darauf ab, eine willkürlich festgelegte Anzahl von Unterrichtsstunden auf die vorhandenen Lehrerinnen und Lehrer aufzuteilen. Damit sollen für den weitaus größten Teil der Lehrkräfte Arbeitszeiterhöhungen durch die Hintertür umgesetzt werden.
Durch die vorgesehenen Maßnahmen werden vermeintlich gerechtere Regelungen eingeführt, die je nach Fächerverbindung, Jahrgangsstufe und Schulart unterschiedliche Faktoren zur Berechnung der wöchentlichen Stundendeputate vorsehen. Bei der Festlegung dieser Faktoren werden jedoch weder wissenschaftliche Untersuchungen zur Lehrerarbeitszeit noch konkrete Arbeitsplatzuntersuchungen zugrunde gelegt.

Wir sollten alle Arbeitszeitberechnungen ablehnen, die zu einer Stechuhrenmentalität bei uns führen.
Zum Berufsethos eines Lehrers/einer Lehrerin muss es auch weiterhin gehören, einen Teil der Arbeitszeit offen und eigenverantwortlich gestalten zu können.
Jegliche Erbsenzählerei hinsichtlich der Arbeitszeit läuft dem pädagogischen Auftrag der Gesellschaft an die Lehrerinnen und Lehrer zuwider.


Interessant sind in diesem Zusammenhang Thesen von Dr. Thomas Riecke-Baulecke zum Thema Lehrerarbeitszeit (Grundsätze und Vorschläge für den Senator für Bildung in Bremen, Juli 2000).
Danach spricht wenig dafür, dass eine tiefgreifende Neuregelung der Lehrerarbeitszeit positiv im Sinne der Qualitätsentwicklung von Schule wirkt. Grundlage der vorliegenden Konzepte für Hamburg und NRW ist eine recht deutliche Umverteilung der Unterrichtsverpflichtungen innerhalb der Kollegien. Diese Konzepte bringen für einen nicht unerheblichen Teil der Lehrerinnen und Lehrer höhere Unterrichtsverpflichtungen?. . Der Versuch, größere Arbeitsgerechtigkeit im Sinne der Angleichung von Arbeitszeiten zu schaffen, kann leicht zum Bumerang werden. Die Debatte über eine tiefgreifende Reform der Lehrerarbeitszeit ist geeignet, erhebliche Auseinandersetzungen in den Kollegien zu provozieren und von der Kernaufgabe (Unterricht und Verbesserung des Unterrichts) abzulenken. Arbeitszeitregelungen sollten Schulentwicklung stützen, nicht jedoch dominieren und behindern. Zielvereinbarungen sind in der Regel wirksamere Instrumente, um Lehrkräfte in die Schulentwicklung einzubeziehen als das Verrechnen einzelner Arbeitsstunden. Aus diesem strategischen Grund wird hier vorgeschlagen, keine grundlegende Abkehr vom Pflichtstundenmodell vorzunehmen, sondern die bestehenden Regelungen zu flexibilisieren. ?.. . Modelle, mit denen alle Arbeitsaufgaben detailliert verrechnet werden, führen nicht nur zur Bürokratisierung der Arbeit, sie wirken vor allem leistungsfeindlich: Nicht die effiziente Bewältigung von Aufgaben würde geregelt, sondern das Einhalten von Zeitvorgaben ? effiziente Arbeit wirkt sich für den Einzelnen nicht vorteilhaft aus, sie würde im Extremfall sogar mit zusätzlichen Aufgaben bestraft.


Nachdenken sollten wir

- über ein modifiziertes Pflichtstundenmodell,
- ein angeglichenes Regeldeputat im Sinne von mehr Arbeitszeitgerechtigkeit zwischen den
Schularten,
- eine deutlich ausgeweitete Anzahl von sog. Abminderungsstunden, bemessen nach den tatsächlich
vorhandenen Zusatzbelastungen der jeweiligen Lehrkraft und
- einen dafür der Einzelschule in eigener Verantwortung zur Verfügung stehenden Stundenpool.


Siegfried Latussek, Lübeck



                 

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