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Jahrgangsübergreifender Unterricht- neues pädagogisches Wundermittel?
Die Absicht des Bildungsministeriums, bis zum Schuljahr 2011/12 an den
Grundschulen des Landes in den ersten beiden Schuljahren jahrgangsübergreifende Klassen allgemeinverbindlich einzuführen, stößt beim VBE auf Kritik.

Der VBE ist der Ansicht, die Grundschulen sollten vor Ort selbst darüber entscheiden können, wie sie die Eingangsphase ausgestalten wollen ¬ und zwar auch in der Frage des jahrgangsübergreifenden Unterrichts. In der Beschränkung auf eine ,,Soll-Vorschrift" eröffnet die Landesverordnung Spielräume für andere Lösungen.
Die Landesverordnung zu den Grundschulen enthält in § 3 Absatz 3 die Vorgabe: ,,Dem pädagogischen Konzept der jeweiligen Schule entsprechend sollen insbesondere in der Eingangsphase jahrgangsübergreifende Lerngruppen gebildet werden.?
Von einer expliziten Verpflichtung für alle Schulen ist dagegen zuvor nie gesprochen worden.

In Berlin wird es jetzt den einzelnen Berliner Grundschulen überlassen, ob sie für die Klassen 1 und 2 jahrgangsübergreifenden Unterricht einführen wollen.
Eine vorausgegangene bildungspolitische Diskussion führte zu dem Ergebnis, dass sich viele Berliner Schulen, Eltern und Lehrer gegen die im Land Berlin ursprünglich geplante generelle Einführung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts wandten. Beispielsweise führte man im Bezirk Neukölln an 31 Grundschulen interne Abstimmungen über dieses Unterrichtsmodell durch. Dabei sprachen sich 28 Schulen dagegen aus.

Gegen die verordnete ?Zwangs?-Einführung sprechen vor allen die wissenschaftlich völlig ungesicherten Behauptungen zu den Vorteilen dieser Unterrichtsform.
Der VBE spricht sich für eine regional angemessene Erprobung jahrgangsübergreifenden Unterrichts aus, z.B. um Grundschulstandorte zu erhalten.
Problematik des Multitasking
Die neuen Erkenntnisse (Kognitions-)Psychologie zur Problematik des Multitasking veranlassen den VBE im Interesse der Gesundheit seiner Mitglieder einige große Fragezeichen zu setzen.
Fragezeichen setzt der VBE auch aus pädagogischer Verantwortung unseren Kindern gegenüber. Die Erkenntnisse aus Pädiatrie und Psychologie und die Verantwortung gegenüber dem ?real existierenden Kind? werden nicht angemessen berücksichtigt.
?Ausgabenstabilität?, ?Kostendämpfung?, ?Wirtschaftlichkeit? als dominante Ziele der ?politischen Bildungsreformer? können nicht durch pädagogische Floskeln (?Kinder dort abholen, wo sie sind?, ?eigenverantwortliches Lernen? usw.) verklärt werden.

Es geht sowohl um die Belastung des Lehrers, von dem die Fähigkeit verlangt wird, mehrere Tätigkeiten zur gleichen Zeit oder abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten durchzuführen, als auch um die Reizüberflutung (continuous partial attention) der Kinder in den vorhandenen Klassenräumen und den anvisierten Gruppengrößen.
Der Lehrer soll größtenteils als Einzelkämpfer mit bis zu 30 Kindern in einem meist viel zu engen Klassenraum agieren. Obwohl der höhere Spiel- und Bewegungsbedarf einiger Kinder (früher durfte man sie als ?noch nicht schulreif? bezeichnen) aus räumlichen, akustischen und aufsichtstechnischen Gründen ständig unterbunden werden muss, soll ?innere Differenzierung? und ?individuelle Förderung? erfolgen Es kann nicht gelingen, Fein- und Grobmotorik, die Sprachentwicklung, Konzentration und Ausdauer einiger Kinder zu fördern, während gleichzeitig schon bei anderen Kindern kognitive Lernprozesse des Lesens, Rechnens, Schreibens und logischen Denkens aufgebaut und erweitert werden sollen.
Für Sozialpädagogik, aber auch für ?Heilpädagogik (was in vielen Fällen nicht zu trennen ist) sind die allgemein bildenden Schulen leider in der Eingangsstufe weder qualifiziert, rechtlich verfasst noch ausgestaltet. Und das vorhandene Potenzial (Vorschulen, Schulkindergärten, Sprachheilgrundschulen usw.) wurde und wird sogar noch abgebaut.
Große Klassen, wenige Stunden, meist nur ein Lehrer, keine äußere Differenzierung. Raumnot und Personalmangel verbieten es, dem zu jungen Kind, dem entwicklungsverzögerten, dem Kind mit speziellen Problemen in der Sprachentwicklung die Spiel-, Bewegungs- und Rückzugsräume und Einzeltherapieräume zuzugestehen, die es braucht. Sie sind nicht vorhanden oder die Betreuung ist nicht gewährleistet.
So lassen sich in der Praxis objektive Bedürfnisse der Kinder beim Start und im Verlauf der Bildungslaufbahn nicht ausgleichen. Negative Folgen für den Bildungserfolg aller Kinder sind zu erwarten.

Aufgabenflut und Reizüberflutung führen zu Stress

Lee und Taatgen[1] beschreiben Multiasking als die ?Fähigkeit, die Anforderungen mehrerer Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen?. Salvucci[2] beschreibt als Multitasking, ?wie Personen mehrere (Unter-)Aufgaben in den Kontext einer größeren, komplexen Aufgabe integrieren und durchführen?.
In Ergänzung dazu ist in der englischsprachigen Fachliteratur auch noch von continuous partial attention die Rede, was die Aufnahmefähigkeit für gleichzeitige und möglicherweise verschiedenartige Reize beschreibt.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Effizienz beim Bearbeiten verschiedener Aufgaben abwechselnd in kurzen Zeitabschnitten im Vergleich zur seriellen Bearbeitung sinkt. Besonders deutlich werden die Grenzen der gleichzeitigen Informationswahrnehmung und -verarbeitung angesichts der Reizüberflutung unserer Umwelt Das Gehirn filtert Informationen automatisch auf eine vom Menschen wahrnehmbare Menge.
Übertragen auf die Kinder: Wenn Kinder parallel viele verschiedene Tätigkeiten visuell oder akustisch wahrnehmen und bewusst oder unbewusst verarbeiten, sinkt die Effizienz der eigenen Tätigkeit.
Das gewiss wünschenswerte soziale Miteinander verschiedener Kinder erzeugt nicht quasi als ?Nebenprodukt? eine individuelle Förderung mit adäquatem ?feedback?. Das Prinzip der individuellen Förderung kann nicht gewährleistet werden, wenn in einer Eingangsklasse von 25 bis fast 30 Kindern ein so genannter individueller Lernplan an Stelle des gemeinsamen Unterrichts tritt .
Die Behauptung, dass irgendein Lehrer einer so großen Kindergruppe verschiedenster Individuen in diesem Szenario der unterschiedlichsten Einflüsse zu Chancengerechtigkeit bei individuellem Lernfortschritt verhelfen könne, ist schlicht unredlich.

Man erwartet vom Lehrer Fähigkeiten, die an das Spielen von Simultanschach erinnern, er soll gleichzeitig an 30 Brettern spielen! Und das jeden Tag! Dabei stehen ihm in 45 Minuten durchschnittlich 1,7 Minuten zur Verfügung.
"Wenn wir zwei Dinge gleichzeitig machen, kommt es zu Leistungsbeeinträchtigungen in beiden Aufgaben", erklärt Kognitionspsychologe I. Koch. Das Gehirn ist nicht in der Lage, mehrere Reize gleichzeitig und gleich schnell zu verarbeiten. Vielmehr wechselt es bei parallelen Reizen innerhalb von hundert Millisekunden zwischen den Prozessen hin und her. Das kostet Zeit, denn jeder Umschaltvorgang benötigt Bruchteile einer Sekunde, weil das Gehirn vor und nach jedem einzelnen Prozess eine kurze Anlaufzeit benötigt, beziehungsweise "nachhallt". Das dämpft die Leistung: Versuchspersonen brauchen für parallel ausgeführte Aufgaben bis zu 40 Prozent mehr Zeit, als wenn sie die Probleme nacheinander abgearbeitet hätten. Wer parallel arbeitet braucht länger und macht mehr Fehler.
Das Ergebnis: Die Teilnehmer brauchten nicht nur jedes Mal Zeit, um sich umzustellen, wenn sie von einer zur nächsten Tätigkeit wechselten. Sie reagierten auch langsamer und machten mehr Fehler, vor allem, wenn eine der Aufgaben zusätzlich starke Emotionen hervorrief. Insgesamt, so das ernüchternde Fazit der Wissenschaftler, schafft das Gehirn nicht einmal die Hälfte der Leistung, die es ohne Ablenkung erbringen würde. Man muss sich also mindestens zehn Minuten durchgehend mit einer Sache beschäftigen, um nicht ausgebremst zu werden, lautet daher ihre Empfehlung.

Daher ist man überrascht, welchen Stellenwert Multitasking nach wie vor in der Gesellschaft genießt und wie positiv es dargestellt wird.
Zu den Nebenwirkungen von Multitasking zählen Stress, Kopfschmerzen, Nervosität, Depressionen und im Extremfall das Burn-out-Syndrom, Im Alltag bleibt das häufig unentdeckt, da die Beschwerden sich subtil entwickeln. Deshalb fallen Folgen erst auf, wenn sich die hohe Belastung durch Unwohlsein oder Krankheit äußert.

Dazu kommt noch ein weiterer Faktor, den wohl fast jeder aus eigener Erfahrung kennen dürfte: Wenn mehr als eine Aufgabe ihrer Erledigung harrt, entsteht Stress. ?Auch wenn die Leistung konstant bleibt, nehmen die Menschen so etwas meist als anstrengender wahr. Sie haben das Gefühl, dauernd auf einen neuen Reiz oder eine Information reagieren zu müssen?, so der Psychologe I. Koch.

Natürlich gibt es Menschen, junge und alte, die genau das anregend finden. Sie suchen sich bewusst Anforderungen aus, die sie immer wieder mit Neuem konfrontieren ? ?Multitasking-Junkies? sozusagen. Doch auch sie finden in den Augen von Psychologen keine Anerkennung - im Gegenteil: Eine Studie aus Harvard hat eindeutig gezeigt, dass dieses Zappen zwischen verschiedenen Aufgaben Hand in Hand mit einer verkürzten Aufmerksamkeitsspanne geht. Langfristige Projekte kommen daher für solche Menschen kaum noch infrage, weil sie sich einfach nicht darauf konzentrieren können.
Mit der funktionalen Kernspin-Tomographie (fMRI) konnten jetzt Wissenschaftler zeigen, dass Menschen nicht wirklich gleichzeitig komplexere visuelle und sprachliche Aufgaben bewältigen können.
Prof. E. Pöppel stellt die Sache klar: Multitasking geht nicht. Wir glauben zwar, mehrere Dinge parallel bearbeiten zu können. Was aber tatsächlich passiert, ist, dass wir alles nacheinander erledigen. D.h. unser Hirn richtet seine Aufmerksamkeit erst auf einen Vorgang, wechselt dann schnell zum nächsten und wieder zurück. Wäre ja nicht weiter tragisch, solange es funktioniert. Aber Herr Pöppel wird drastisch: Es führt ?auf Dauer zur partiellen Verblödung, zum Verlust von Konzentration und oft zu enormer Erschöpfung.?





                 

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