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12. Januar 2026

IQB 2004 – Handlungsdruck ist erreicht

Kein überraschendes Ergebnis

Die KMK ließ zum dritten Mal (2012, 2018, 2024) vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) überprüfen, inwiefern die Jugendlichen der neunten Klassen die Mindeststandards für den ESA und den MSA erreichen und zwar in Mathematik, Biologie, Physik und Chemie. Im Ergebnis verfehlen „im Jahr 2024 im Fach Mathematik insgesamt knapp 9 Prozent aller Neuntklässler:Innen den Mindeststandard für den ESA und ungefähr 34 Prozent den Mindeststandard für den MSA“ (IQB, Pressemappe, Fazit, Seite 36). Zusätzlich zeigte sich, dass das Fachinteresse an den vier Fächern weiter zurückgegangen ist.

Die Ergebnisse aus Schleswig-Holstein sind zwar besser als der Bundesdurchschnitt, weisen aber auf den gleichen Trend hin. Da in den vergangenen sechs Jahren der Anteil der Schüler:innen mit Fluchtbiografie mit knapp 5 Prozent höher war als in den früheren Studien, hatte das deutsche Schulsystem demzufolge erhebliche Integrationsleistungen, insbesondere die der sprachlichen Integration zu erbringen (vergl. a.a.O.).

So wird eine verbesserte Sprachförderung empfohlen: „Dies betrifft zunächst die frühe Förderung im Elementarbereich, nicht nur sprachlicher, sondern auch mathematischer und naturwissenschaftlicher Kompetenzen. Zentral ist ferner die Sicherung basaler Kompetenzen in der Grundschule sowie zentraler funktionaler Kompetenzen in der Sekundarstufe I, die für einen gelingenden Übergang in die berufliche Ausbildung bedeutsam sind. Wichtig ist zudem die gezielte Förderung fachbezogener Motivation sowie sozio-emotionaler Merkmale und Fähigkeiten. Dieser Bereich sollte nicht nur in der Grundschule, sondern auch in den weiterführenden Schulen verstärkt in den Blick genommen werden, unter Einbezug empirisch bewährter und praxistauglicher Förderansätze. Hierbei kommt der Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams eine zentrale Rolle zu. Die Verbesserung der Sprachförderung schließlich erfordert eine strategische Weiterentwicklung von Diagnostik, Maßnahmen sprachlicher Bildung und Qualifizierung von Lehrkräften.“ (a.a.O.)

Für den VBE kommt dieses Ergebnis nicht überraschend. „Angesichts des Lehrkräftemangels, der hohen Krankheitsbelastung und der vielen Aushilfen in den Schulen der letzten Jahre braucht es keinen zu wundern, wenn die Kompetenzen der Jugendlichen zurückgehen.“ kommentiert die Landesvorsitzende Annette Jeß das Ergebnis. Jeß weiter: „Wer wie zu Beginn des Schuljahres geschehen die Unterrichtsversorgung durch Aushilfen als Unterricht zählt und die Versorgung mit ausgebildeten Lehrkräften nicht erfasst, verkennt die negativen Auswirkungen fachfremden (Vertretungs-)Unterrichts auf die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.“

Selbst das IQB hält fest, dass „ein substanzieller Anteil der Lehrkräfte, die in den am IQB-Bildungstrend 2024 teilnehmenden Klassen Mathematik, Biologie, Chemie oder Physik unterrichten, nicht über eine Lehrbefähigung im jeweiligen Fach“ (vergl. Pressebericht Seite 35) – rund 14–21 % an nichtgymnasialen Schularten -  verfügt. Auch würden vermehrt Lehrkräfte eingesetzt, die kein grundständiges universitäres Lehramtsstudium absolviert haben, sondern als Quer- oder Seiteneinsteiger:innen in den Lehrer:innenberuf gekommen sind. Und es kommt zu dem Schluss, dass Klassen, die von fachfremden Lehrkräften, Quereinsteiger:innen oder Seiteneinsteiger:innen unterrichtet werden, im Durchschnitt tendenziell geringere Kompetenzen erzielen (a.a.O. S. 35).

Tomi Neckov, inzwischen neuer Bundesvorsitzender des VBE: „Ich mache niemandem im Seiteneinstieg einen Vorwurf. Im Gegenteil. Hier wird mit Engagement und gutem Willen versucht, die ungünstigen Systembedingungen auszugleichen. Doch ohne angemessene Vorbereitung, ohne Begleitung und oft auch noch fachfremd eingesetzt, ist das einfach ein zu hoher Anspruch.“ (Pressedienst des VBE Bund, 16.10.2025)

Der VBE fordert

  • eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, die Schule in ihrem Bemühen um eine nachhaltige Sicherung der Lern- und Entwicklungsziele der Jugendlichen tatkräftig zu unterstützen,
  • eine begleitete Qualifizierungsoffensive für den Seiten- und Quereinstieg mit verbindlichen Standards für die fachliche und didaktische Qualifikation,
  • eine Sicherstellung sprachlicher Förderung im Vor- und Grundschulbereich (u.a. auch DaZ),
  • eine Entlastung der Lehrkräfte von unterrichtsfernen Aufgaben und unnötiger Verwaltungstätigkeit
  • eine Stärkung der Schulen durch mehr Mitglieder multiprofessioneller Teams wie z.B. aus der Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und Schulgesundheit,
  • und einer Orientierung an der Suche nach qualitativ hochwertigem Unterricht
  • ein Monitoring fachfremden / fachbezogenen Unterrichts